Vereinsausflug 2002 nach Zittau

Eine Reise in die Vergangenheit war der Ausflug unseres Vereins in diesem Jahr, ging es am 28. September doch nach Zittau, in die Stadt, in der ich vor - ist es wirklich wahr? - über 20 Jahren die schöne Zeit des Studiums verlebte. So war ich sehr gespannt, was ich wiederentdecken würde und was sich alles verändert hat.

Die erste Veränderung war die Dauer der Zugfahrt. 2 Stunden hat man früher für die Strecke nicht benötigt, aber dafür sind die Züge jetzt unbestreitbar schöner und für uns war diese Variante der Beförderung in diesem Jahr durch das Wochenendticket die beste Wahl. Auch der Bahnhof emfing uns dank der Mittel, die zum vorjährigen “Tag der Sachsen” flossen, in neuer Fassade. Außerdem empfingen uns unsere Vorsitzende, Frau Hennig, mit Enkel und Marion Weitzel mit Familie, die in diesem Jahr “Heimvorteil” hatten. Die erste Überraschung war dabei der kleine, aber feine Imbiss, der uns auf dem Bahnhofsvorplatz erwartete und uns mit heißem Kaffee den doch recht kühlen Morgen vergessen ließ.

So gestärkt schlenderten wir über die Bahnhofsstraße in Richtung Klosterkirche zu unserem ersten Programmpunkt, der Besichtigung der Ausstellung “Welt-Macht-Geist - das Haus Habsburg und die Oberlausitz 1526 - 1635”. In einer fast zweistündigen Führung erfuhren wir viel Interessantes über das Intermezzo der Habsburger in dieser Gegend, das eigentlich schon 1515 mit einem Verlöbnisvertrag begann und aus Gründen der Geldknappheit mit der Übertragung der Gebiete der Gebiete an die sächsischen Herrscher endete.

Danach hatten wir uns eine Stärkung verdient und die bekamen wir im gemütlichen “Dornspachhaus”, in dem uns ein reichhaltiges, wohlschmeckendes und dazu noch themenbezogenes Mittagessen gereicht wurde. Danach schlenderten wir nach kurzer Besichtigung der Johanniskirche durch die Stadt und ich konnte an jeder Ecke für mich in den Erinnerungen kramen. Meine Studentenbude hatte sich herausgeputzt, dafür war unsere Lieblingskneipe “Klosterstübl” geschlossen. Aber auch für Nicht-Nostalgiker gab es viel zu sehen, z. B. das Rathaus, die Fleischbänke, die Blumenuhr und natürlich die vielen renovierten Häuser, in denen nur leider kaum jemand zu wohnen scheint.

Nächster Tagesordnungspunkt war die Besichtigung des Großen Fastentuchs in der Kreuzkirche (nicht zu verwechseln mit dem Kleinen Fastentuch, von dem wir eine Kopie in der Habsburg-Ausstellung sahen). Auch hier konnten wir viel Neues erfahren und staunen, wie gut sich dieses Tuch seit 1472 erhalten hat. Fastentücher wurden genutzt, um in der Fastenzeit die Altäre in der Kirchen abzudecken, eigentlich ein katholischer Brauch, der sich aber in der Oberlausitz auch in evangelische Zeiten hinüberrettete. Das Große Tuch überstand alle Wirren der Zeit fast unbeschadet, bis es 1945 von russischen Soldaten als Badezelt umfunktioniert und dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach Restaurierungsarbeiten in der Schweiz ist es seit drei Jahren in Zittau zu sehen. Die 90 Bilder zeigen Szenen des Alten und Neuen Testaments. Wirklich sehr interessant und ein Grund nach Zittau zu kommen.

Anschließend ging es zum Kaffeetrinken in die Gaststätte “Zum Pferdestall” in das renovierte Salzhaus (toll, was daraus geworden ist!) und dann spazierten wir zurück zum Bahnhof und so ging der Besuch der Schönen in der Oberlausitz, wie Zittau auch genannt wird, bei schönem Wetter mit interessanten Eindrücken für alle und ein bisschen Wehmut für mich zu Ende.

Wieder hat alles gut geklappt und wir haben uns bei allen Organisatoren, allen voran natürlich Frau Hennig, zu bedanken und sind schon gespannt, wohin unsere Reise im nächsten Jahr geht.