Der deutsche Wortschatz
Als meine Töchter Teenager waren, brachten sie mir die Bedeutung der Abkürzung DSDS bei. Das war (und ist) eine Castingshow, die 2002 auf den Fernsehbildschirmen erschien und bei ihnen große Begeisterung auslöste. Nun bin ich auf die sehr ähnliche Buchstabenkombination DWDS gestoßen, die sogar schon ein Jahr eher das Licht der Internetwelt erblickte, von mir aber bisher sträflich ignoriert wurde.
Dabei findet man unter dieser Internetadresse einen schier unerschöpflichen Fundus für alle, die sich - wie wohl die meisten von uns - für die deutsche Sprache in all ihren Ausprägungen interessieren. 1998 beschrieb eine kleine interdisziplinäre Arbeitsgruppe die Vision eines “Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts”, das ausschließlich digital publiziert werden sollte, was damals - Google wurde in dem Jahr aus der Taufe gehoben - keineswegs selbstverständlich war.
Heute kann man dort - werbefrei! - 600.000 Einträge in verschiedenen Wörterbüchern durchstöbern und dazu jeweils Grammatik, Aussprache, Worttrennung, Bedeutung, Worthäufigkeit, geografische Verteilung der Nutzung des Wortes in Deutschland und Verlaufskurve des Auftretens (ab 1600) erkunden.
Wer vielleicht in einen Streit darüber gerät, ob bestimmte Wörter dem Gender-Mainstreaming geschuldet sind, kann beispielweise für Gästin in den Textkorpora aus derzeit 75 Milliarden von Wörtern herausfiltern, dass das Wort schon im 17. Jahrhundert im Gebrauch war und auch Tucholsky und Strittmatter es verwendeten.
Ein schöner Ersatz für den leider eingestellten Duden-Abreißkalender “Auf gut Deutsch!” ist der “Artikel des Tages”, der sich verschiedenen Wörtern oder Mehrwortausdrücken und deren Bedeutung und Herkunft annimmt.
Mit Wortspielen kann man ebenfalls sein Wissen testen und erweitern. Zu guter Letzt gibt es für das Ganze auch eine kostenlose mobile App in den jeweiligen Stores zu finden.
Nun könnte man sich fragen, ob man die Duden-Webseite da noch aufrufen muss. Für mich bleibt als Anwendungsfall vor allem die Dudenempfehlung bei den Schreibweisen, die in verschiedenen Ausprägungen den Rechtschreibregeln entsprechen, deren Beachtung unsere Texte einheitlicher wirken lässt. Außerdem ist der Wortschatz des DWDS-Kernkorpus für das 21. Jahrhundert beim Jahr 2010 stehen geblieben. Hier ist der Duden deutlich aktueller.
Zusammenfassend kann ich aber schon sagen, dass meine Begeisterung für diese Seite mindestens so groß ist, wie sie bei meinen Töchtern vor über 20 Jahren war.