Nachruf Joachim Eichler

“Udo Jürgens Hit zum 66. wird heute wahrscheinlich viel strapaziert werden, aber dir wohl nicht wirklich leicht von den Lippen kommen. Hoffnung auf bessere Zeiten kannst du trotzdem sicher gut gebrauchen.” - So schrieb ich vor drei Monaten Dr. Joachim Eichler in der Geburtstagsmail, wohl wissend, dass er schon lange mit einer schweren Krankheit kämpfte. Nun mussten wir die Nachricht verkraften, dass er diesen Kampf am 23. August verloren hat. Wir werden ihn immer in guter Erinnerung behalten. Hier steht, was mich mit ihm verband und weiter verbinden wird.

Dr. Joachim Eichler

Im Frühjahr 1976 startete ich meine stenografische Laufbahn mit der Teilnahme an meinem ersten Trainingslehrgang für Nachwuchsstenografen im Kurort Hartha, und damals begegnete ich Joachim zum ersten Mal. Wenn ich mich recht erinnere, hatte er gerade seinen Doktortitel erlangt. Natürlich schrieb er schon viel schneller, aber in Erinnerung blieb mir auch, dass er sich sehr fürs Statistische interessierte und immer akribisch notierte, wer an welchen Lehrgängen teilgenommen hatte. Deshalb konnte er uns in späteren Jahren immer klärend zur Seite stehen, falls wir diesbezüglich Fragen hatten. In den vielen Lehrgängen, die wir später gemeinsam besuchten, teilten wir - die Männer waren ja immer in der Unterzahl - oft ein Zimmer, sodass ich ihn natürlich näher kennenlernte. So wusste ich von seiner Leidenschaft fürs Schachspielen, das er ebenfalls wettkampfmäßig mit gutem Erfolg betrieb. Selbstverständlich haben wir auch oft beim Skat um jeden Stich gekämpft, Anneroses Gaststätte in Winzingerode war dafür zum Beispiel der ideale Ort. Wenn wir von dort - ein paar Bier später - in unser Domizil zurückkehrten, hatten wir oft erregte Debatten darüber, ob die Politik, die in der DDR betrieben wurde, wohl die richtige sei. Seine Überzeugung, dass dies der Fall war, hat ihm nach der Wende manches nicht leichter gemacht. Aber sein Herz schlug weiter für die linken Ideale, was jeder respektierte.

In späteren Jahren glichen sich unsere stenografischen Leistungen an, sodass es für uns immer spannend war, wenn bei den vielen Wettkämpfen, die wir gemeinsam bestritten, die Ergebnisse verkündet wurden, wer von uns wohl ein paar Punkte besser sein würde. Uns verband in dieser Hinsicht auch, dass wir einsehen mussten, dass unsere Leistungen für das Siegertreppchen nicht reichen würden. Das hat aber unserer Begeisterung für die schnellen Striche keinen Abbruch getan. So war es für mich schon sehr traurig, als er mir, nachdem ihn seine Krankheit schon ziemlich mitgenommen hatte, seine über die Jahre gesammelten Kürzungstipps aus unseren Fachzeitschriften mit den begleitenden Worten zusandte, dass er wohl dafür nun keine Verwendung mehr haben würde. Das war dann auch die Zeit, in der er sich nach vielen Jahren aus der stenografischen Praxis zurückzog, wo wir uns im Sächsischen Landtag immer wieder begegnet sind, auch wenn wir nach den Sitzungen viel zu selten die Zeit fanden, mal wieder ein Bier zusammen zu trinken. Zu erwähnen ist noch, dass Joachim nicht nur stenografierte, sondern gern auch auf der Computertastatur um möglichst viele Anschläge wetteiferte. Auch in unserer Fachliteratur meldete er sich immer mal mit längeren Artikeln zu Wort.

In den letzten Jahren waren es wohl vor allem seine Enkel, die Licht und Freude in sein Leben brachten, wovon er gern berichtete.

Nun, da Joachim nicht mehr unter uns weilt, bleiben nur die Gedanken an all die gemeinsamen Stunden und die Trauer, die wir mit seiner Familie teilen.